liebe menschen,
pauline und tobi haben in den letzten tagen den text nochmal überarbeitet und ergänzt, am ende des blogeintrages findet ihr ihn, den fertigen text.
was geschieht jetzt also? in der gestrigen telefonkonferenz kamen wir zu folgendem resultat:
da es sich beim neuen großraumdichten-track laut abstimmung der blogleser um eine soundcollage handeln soll, machen wir folgendes: bis nächste woche bekommt der text noch seinen letzten feinschliff bezüglich der stimmverteilung und des fokus in der soundcollage. und genau dafür brauchen wir eure hilfe. ihr sollt nämlich wieder abstimmen, gerne könnt ihr auch weitere vorschläge per kommentar machen.
am 14./15. und 16. november treffen wir uns dann zum aufnehmen des textes in ludwigs neuer residenz in münchen. dabei werden wir den gesamten text immer wieder in verschiedenen sprechweisen (laut, leise, schnell, langsam, tobi alleine, pauline allein, tobi und pauline zusammen und versetzt) aufnehmen. so entsteht ein pool, der es ermöglicht, den text auf verschiedenste weise in die musik zu integrieren: schichtungen, schattierungen, versetzungen, zersetzungen – wir wollen das zur verfügung stehende audiomaterial voll ausschöpfen. bisher war es nämlich so, dass bei uns ähnliches nur auf der direkten ebene des sprechens, also z.b. durch kanons geschah. nun wollen wir aber sehen, wie weit wir damit auf der digitalen ebene gehen können.
und ihr, liebe blogleser seid jetzt gefragt, welche die zentralen zeilen der soundcollage sein werden sollen. welche passagen sind euch beim lesen besonders wichtig, was hättet ihr gerne besonders betont?
die abstimmung:
und hier, der fertige text:
ich hab irrlichter
streiflichter
hinter den ohren ein gefühl von beinahe oder fast //
andere sind schneller als das licht
wir sind langsamer als die dunkelheit //
immer diese fragen
und die antworten darauf
immer die frage nach geschwindigkeit
nach blickdichter zeiteinteilung//
ich wollte nie die wahrheit ihrer garderobe entledigen
aber ich hatte meinen mantel verloren
und fror
und das ist keine befriedigende lüge//
ich wollte nicht, dass es soweit kommt,
aber die umrandung
der von mir selbst weichgezeichneten karte
ist verschwommen,
die zeichnung ist ungenau
und verblichen lichtet sich nur
im wald ohne lichtung
ein kleiner pfad richtung hexenrat.
und ich sehe keinen weg zurück.
ähnlich – das erwähn ich hier –
ging es auch einigen anderen
die sich verliefen mit mir//
denn es ist doch so:
da andauernde augenbewegung immer zu stroboskopwelten neigt
und auch tatsächlichem fahrige gestalt verleiht
durch fortführen aber ermüdungserscheinungen zeigt
muss beizeiten nicht nur neonreklamehelligkeit das wesen umspülen
erst dann kann man der gedanken der dunkeheit ganzen umfang erfühlen
wühlen umrissfragmente definitiv nicht mehr auf
kühlen glaskörper aus bis sie neue lichtstrahlen brechen
welche die erfüllung von wünschen von schweifsternen versprechen//
aber halt mal, stopp:
wir haben den faden verloren
und spinnen nur rum
sind immer nur knapp vorbeigeschrammt
an kurven und leitplanken
immer nur knapp vorbeigeschrammt
immer nur knapp mit dem kopf nicht durch die wand //
wir haben keine kraft
den karren wieder gegen sandbetonwände zu setzen
haben keinen nerv mehr übrig
der uns noch gezogen werden kann
denn wir wollten unseren wörtern nicht in word
sondern in fremden ohren gehör verschaffen
wollten unsere runden nicht auf datenautobahnen
sondern auf carrerabahnen drehen
und dort wollten wir nicht
die verlorengegangene autofelge im tornado sein
sondern eher ihm gleich
ganze landstriche verwüsten//
aber wir haben irrlichter
streiflichter
hinter den ohren ein gefühl von beinahe oder fast //
andere sind schneller als das licht
wir sind langsamer als die dunkelheit //
zwischen plakat und plattitüde
zwischen trockenzement und klematis
zwischen hätte und sein
kann ein containerschiff fahren
und es fährt dort allein
bleibt den augen verborgen
signallichter blinken vor sich hin //
immer diese fragen
und die antworten darauf
immer die frage nach geschwindigkeit
nach blickdichter zeiteinteilung//
und du sagst zu mir:
andere sind schneller als das licht
wir sind langsamer als die dunkelheit
halt dich bereit
der startschuss fällt leise //
aber ich bin nicht bereit
und rache ist süß und qualmt
wie ein pazifistischer abzug
einer kinderfaschingskostümpistole
ich wollte nie in schubladen denken
wollte stattdessen laufmaschen und luftmaschen häkeln
und wahllos in der weichen eichenschrankwand
die wie ich am rand der welt verständnislos rumstand
socken neben hemden verteilen
wollte nie abziehbilder in den köpfen
sondern in bazooka-joe kaugummis finden
und ich sage
wenn ich wirklich wüsste wer schneller ist
wär ich schon lange verschwunden //
aber weil ichs nicht weiß
und weil wirs nicht wissen
haben wir irrlichter
streifllichter hinter den ohren
und nur ein gefühl
eines von beinahe oder fast //
denn wir wollten zeilen aus gold verfassen/
aber wurden von der oxidation ertappt//
wer möchte, kann übrigens auch am 15. november um 20 uhr ins lyrik-kabinett in münchen kommen, dort haben wir eine großraumdichten-show. außerdem sind wir vom 10.-14. november in essen bei der deutschprachigen meisterschaft des poetry slams, am 12.11. treten wir um 22.30 uhr in folgender teamvorrunde 2 in oberhausen/ebertbad an, hier kann man karten kaufen.
auf eine ganz andere weise kommt man zu unserem auftritt in bremen: mit dem immer noch laufenden schreibwettbewerb. wir freuen uns weiterhin auf eure einsendungen!
jetzt noch ein kleines schmankerl: ein video von philipp drieger mit musik von ludwig. philipp hat ein skript geschrieben, das ein 2d video in einen 3d raum spielen lässt (mehr infos dazu hier) . und das sieht dann so aus:
auf nächste woche!
pauline, tobi & ludwig
November 17th, 2010 → 10:15
[...] werden, denn es stand noch am selben abend das recording des tracks an. dieses mal wurden also wie vorab besprochen pauline und tobi in verschiedenen sprechweisen aufgenommen. dabei strichen wir den text auf gut ein [...]
November 24th, 2010 → 10:53
[...] wer sich wundert, was mit dem kompletten Text geschehen ist – den gibt es für Live-Auftritte ohne Musik weiterhin, für die Musik-Version [...]